Das letzte Teilstück der A49 ist seit einigen Tagen für den Verkehr freigegeben. Der Ausbau der Autobahn hat die Region tief gespalten und bewegt, aber keine Stadt war davon so betroffen wie Homberg (Ohm). Wie geht es den Menschen dort nun – und wie blickt man im Rathaus in die Zukunft? OL hat bei Bürgermeisterin Simke Ried nachgefragt.
Verschiedene Umweltinitiativen haben beim hessischen Verkehrsministerium einen Antrag zu den wasserrechtlichen Erlaubnissen beim Ausbau der A49 gestellt. In Anbetracht der „vielen Mängel eines Fachbeitrags zur europäischen Wasserrahmenrichtlinie“ fordern sie, diese Erlaubnisse solange auszusetzen, bis ein neuer Fachbeitrag erstellt ist.
„Ökologische Kosten eingepreist: Weiterbau der A49 nicht haltbar! Was nun?“ – unter diesem Titel will das bundesweite Netzwerk „Danni lebt“ am Samstag eine Podiumsdiskussion veranstalten.
Der 1. Oktober 2020 – der Tag, an dem die Räumungen und Rodungen für den Weiterbau der A49 begonnen haben, angefangen im Herrenwald, später dann im Dannenröder Wald. Was hat sich seitdem getan? Ein Rückblick, Ausblick und Besuch mit der Kamera bei den verbliebenen Autobahngegnern.
Scharfe Kritik übt die Grünen-Fraktionsvorsitzende an der Informationspolitik von Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum. Die letzte Stadtverordnetenversammlung müsse diesbezüglich als vollkommen unzureichend angesehen werden, so Barbara Schlemmer. Aus ihrer Sicht „verweigere“ Blum bei mehreren wichtigen Themen die nötigen Auskünfte.
Am Mittwoch löste die Besetzung eines Baggers im Bereich der A49-Trasse einen Polizeieinsatz aus. Ein vermummter Mann kletterte während der Bauarbeiten im Maulbacher Wald auf das Dach der Arbeitsmaschine. Einsatzkräfte der Polizei mussten ihn vom Bagger holen und nahmen ihn anschließend fest.
Das die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald rechtswidrig war, entschied das Verwaltungsgericht Köln Anfang September. „Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis eine solche Rechtssprechung auch in Hessen erfolgt“, heißt es in einer Pressemitteilung der „Parents for future“ mit Blick auf die Räumung des Dannenröder Waldes im vergangenen Jahr.
Die weitere Handhabung mit den Anforderungen durch die A49, ein Skatepark für die Jugend, eine zusätzliche Stelle im Bauamt: In der Stadtverordnetenversammlung in Homberg Ohm wurde viel diskutiert.
Die Räumungen im Dannenröder Wald waren teuer – sehr teuer. Genauer gesagt werden die Kosten für die ganzen Einsätze bislang auf rund 31 Millionen Euro geschätzt. Für einen Teil der Kosten sollen eigentlich die A49-Gegner aufkommen, doch der Großteil sieht es scheinbar nicht ein, denn es sollen erst sieben Forderungen beglichen worden sein.
Das Homberger Bürgerforum und die Grünen sind irritiert: Die Verhandlungen in Sachen Sicht- und Lärmschutz durch die A49 sind noch im vollem Gange und dennoch sollen bereits Ergebnisse für den Ortsteil Appenrod bereits veröffentlicht sein. Die Fraktionen sind besorgt, dass hier Einzelinteressen vertreten werden, fordern die Bürgermeisterin auf dem Appenröder Ortsvorsteher Einhalt zu gebieten und erinnern daran, alle betroffenen Ortsteile gleichermaßen zu betrachten.
Der Bau der Autobahnmeisterei an der A 49-Anschlussstelle (AS) Schwalmstadt beginnt. Auf der rund 12.000 Quadratmeter großen Fläche sollen unter anderem Verwaltungs- und Betriebsgebäude, Werkstätten und Lagerhallen im Auftragswert von circa fünf Millionen Euro entstehen.
Unbekannte Täter sollen an einer A49-Baustelle in Schwalmstadt einen Sachschaden von rund 150.000 Euro verursacht haben. Von Seiten der Polizei wird ein Zusammenhang mit den Protesten gegen den Weiterbau der A 49 gesehen.
Die Homberger Bürgermeisterin Claudia Blum hat Verhandlungen mit der Bau-Arbeitsgemeinschaft zu A49 aufgenommen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Bürger gegen Verkehrsgefahren und Lärm, sondern auch um Sicherungsmaßnahmen den Radverkehr. Ein Zwischenergebnis gibt es auch schon.