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"Ich will Landrat für alle Bürgerinnen und Bürger werden"CDU-Kreisparteitag wähl Mischak offiziell zum Landrats-Kandidaten

VOGELSBERG (ls/kec/akr). Die großen Überraschungen blieben an diesem Abend aus, denn schon seit dem vergangenen Jahr ist bekannt, dass Jens Mischak neuer Vogelsberger Landrat werden möchte. Jetzt ist es aber offiziell: Mit großer Zustimmung wurde der aktuelle Vizelandrat als Kandidat der Vogelsberger Christdemokraten gewählt – und bekam dafür prominente Unterstützung von Hessens Finanzminister Michael Boddenberg.

Angekündigt wurde es bereits im September 2022, jetzt wurde die Kandidatur dingfest gemacht: Mit einer großen Zustimmung der Vogelsberger Christdemokraten wurde Jens Mischak auf dem Kreisparteitag als Kandidat zur Landratswahl im Oktober nominiert und gewählt. Von den 141 stimmberechtigten Mitgliedern stimmten 138 für Mischaks Kandidatur. Ein Mitglied enthielt sich, ein anderes stimmte dagegen und ein Wahlzettel war ungültig. Damit strebt der 44-Jährige die Nachfolge des amtierenden Landrats Manfred Görig an.

Jens Mischak soll CDU-Landratskandidat werden

Erfahrungen jedenfalls konnte Mischak bereits zu genüge sammeln, immerhin ist er seit sechs Jahren – in wenigen Wochen werden es sieben Jahre – als hauptamtlicher Erster Kreisbeigeordneter für den Vogelsberg tätig, was auch gerne mal als Vize-Landrat umschrieben wird.

Zuvor allerdings war es eine Video-Botschaft von Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, die die Vogelsberger auf den Abend einstimmte, denn immerhin sei man zusammengekommen, um den ersten Schritt zu gehen, damit Jens Mischak neuer Landrat des Vogelsbergkreises werde. „Mit ihm haben Sie einen starken Kandidaten und Politiker. Durch seine Persönlichkeit gelingt es ihm unterschiedliche Personen und Positionen zusammenzuführen“, attestierte Rhein und betonte, dass es eine Auszeichnung sei, dass auch die Koalitionspartner den Kandidaten mittragen. Die SPD nämlich hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, keinen Kandidaten als Nachfolge für SPD-Landrat Görig stellen zu wollen. Allerdings sollte man vielleicht erwähnen, dass bei der vorherigen Wahl die CDU auf einen eigenen Kandidaten verzichtet hatte.

Ein Blick von oben: 141 Mitglieder waren bei dem CDU-Kreisparteitag anwesend. Alle Foto: Vogelsberger-Zeitung

Drei wichtige Themengebiete: Wirtschaft, Gesundheit und Schule

Seit nunmehr fast sieben Jahren sei er nun schon als Erster Kreisbeigeordneter tätig und habe in der Koalition und in der Zusammenarbeit mit Landrat Manfred Görig schon eine wichtige Themenbereiche anpacken können, sagte Mischak. Darauf gelte es nun aufzubauen, was er als Landrat tun wolle. Dazu allerdings benötige er die volle Unterstützung der Christdemokraten im Kreis, sagte Mischak und warnte davor, die Wahl vorschnell als bereits gewonnen zu betrachten. „Wir müssen uns nicht die allergrößten Sorgen machen, aber das Gegenteil ist der Fall: Wir müssen umso härter kämpfen und wir müssen die Sache umso ernster nehmen“, appellierte er.

Drei Themengebiete seien es, die ihn für die Zukunft des Landkreises besonders antreiben würden: Die Wirtschaft samt der Digitalisierung, die in seiner Rede den wohl größten Teil einnahm, die Schulen und die Gesundheit. Aber auch die Umwelt und erneuerbare Energien, die Landwirtschaft, das Ehrenamt und die Sportförderung fanden einen Platz in seine Worten.

Nach einer Begrüßung stellte Jens Mischak seine Ziele für die kommenden Jahre vor.

Zunächst aber zur Wirtschaft: Da geht es Mischak nicht um die Frage der Quantität, sondern um die Frage der Qualität. Man müsse also den Unternehmen, die bereits hier sind, Perspektiven bieten, statt immer mehr zu wollen. Auf einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung fuße am Ende die gesamte Entwicklung des Kreises.

In erster Linie gehe es dabei um die Herausforderungen, die der Fachkräftemangel mit sich bringe. „Wir haben es alle mitbekommen: Die Prognose, die für den Kreis vor einigen Wochen gestellt wurde, ist ernüchternd“, sagte Mischak. Bis ins Jahr 2028 soll der Kreis 6500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte weniger haben, das sind 18 Prozent weniger Beschäftigte, als es derzeit sind. „Das heißt: Jeder fünfte steht dem Arbeitsmarkt in fünf Jahren nicht mehr zur Verfügung“, resümierte er.

Das Schlimme daran sei vor allem, dass die Politik das nicht alleine lösen könne. Insbesondere deshalb sollte die Union das Thema seiner Meinung nach als das Dringlichste identifizieren und überlegen, wie es gelöst werden könne. Seiner Meinung nach gehöre ein klares Statement zur dualen Ausbildung dazu, genauso wie die Stärkung von Berufsschulen in Sachen Finanzen und Ausstattung, damit verhandelt werden könne, dass noch mehr Bezirks- und Landesfachklassen dort integriert werden.

Zuvor hatte Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule für die Kreistagsfraktion und den Kreisvorstand der Vogelsberger CDU den Nominierungsvorschlag der Parteigremien erläutert. Dabei hob Paule die Qualifikationen von Mischak und auch seine langjährige Erfahrung besonders hervor. „Jens Mischak verkörpert einerseits den lösungsorientierten kommunalen Wahlbeamten und den gerne mit Institutionen, Verbänden und Bürgern klug argumentierenden Menschen“, lobte Paule.

Klares Statement an Handwerk und zur dualen Ausbildung

Auch müsse ein klarers Statement an das Handwerk gesendet werden, um ihm den Rücken zu stärken. Der jüngeren Generation, die den Klimaschutz als Zukunfts-Ziel vor Augen habe, müsse klar gemacht werden, dass das Handwerk genau dort anpacke und dafür kämpfe. Als Bespiel nannte er unter anderem den Heizungsbau oder die Zimmerei.

„Der jüngeren Generation sei gesagt: Nicht auf die Straße kleben, sondern an den Handwerksberuf heften, da könnt ihr mehr für eure Zukunft und für Klima tun“, sagte der 44-jährige Lauterbacher. Eine Lösung könne aber auch sein, dass bewusst ausländische Arbeitskräfte angelernt werden. Mit der Digitalisierung sein man sowohl in der Fläche als auch in der Verwaltung schon gut vorangekommen. Hier müsse man das Tempo beibehalten.

Auch von Ministerpräsident Boris Rhein gab es eine Video-Botschaft. Darin wünschte er Mischak, aber auch der ganzen CDU Vogelsberg einen erfolgreichen Wahlkampf.

„Bei den Schulen geht es um Verlässlichkeit und Vertrauen, das sagen wir schon seit vielen Jahren“, führte Mischak ein weiteres Themenfeld auf. Dazu gehöre nicht nur, dass in der Kommune eine Grundschule erhalten bleibt, sondern auch, dass in die Schulstandorte investiert werde. Die nächste große Herausforderung nach der Sanierung in Schlitz und der angelaufenen Sanierung in Grebenhain sei die Sanierung in Mücke.

Zusätzlich dazu müsse für Betreuungsangebote gesorgt werden, dann ab 2026 habe jedes Kind einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Schule. Das heißt: zusätzliche Räumlichkeiten, Kantinen und Mittagessen und vor allem Betreuungspersonal. „Das wird eine große Kraftanstrengung, die wir angehen müssen“, sagte Mischak. Zwar habe man damit bereits begonnen, für den Rest würden allerdings nur noch drei Jahre bleiben. Auch um die Sportförderung und die Nutzung der Sportstätten, Hallen und Plätze müsse sich vermehrt gekümmert werden.

Bei der gesundheitlichen Versorgung seien es andere Dinge, die zählen würden. „Da müssen wir Mut haben, wir müssen Mut machen und am Ende müssen wir machen“, erklärte der derzeitige Vizelandrat und Kreisvorsitzende der CDU Vogelsberg. Von Beginn seiner Tätigkeit an sei ihm das Thema eine Herzensangelegenheit gewesen, da sich der Landkreis durch eine große Fläche und eine geringe Besiedelung auszeichne.

Ein Blick in die Reihen.

In den letzten Jahren habe man sich hier schon insbesondere im Bereich der Hausärzte bemüht und ein Stipendien-System ins Leben gerufen, um junge Ärzte als Hausärzte zu begeistern. Auch das Medizinische Versorgungszentrum sei ein Erfolg, der eine Strahlkraft in Nachbarkommunen habe. Diese Kooperationen gelte es weiter auszubauen – auch bei Apotheken.

Einmalige Chance, etwas Neues zu schaffen

Die stationäre Versorgung mit den drei Krankenhäusern im Kreis sei der dritte wichtige Eckpfeiler der medizinischen Versorgung, die unterstützt und aufrechterhalten werden müsse. Für das Kreiskrankenhaus in Alsfeld gehe man nun einen entscheidenden Schritt, denn immerhin sei es mit der 80-Millionen-Euro-Investition die größte Investition, die man als Landkreis jemals getätigt habe. „Das wollen wir nicht irgendwie machen, das wollen wir gut machen“, sagte Mischak. Damit soll erneut etwas entstehen, was über die Region hinaus beispielgebend ist.

„Wir reden immer nur über Geld, aber wir müssen auch darüber reden, dass wir die einmalige Chance haben, etwas Neues zu schaffen, das für die stationäre Versorgung ländlicher räume Maßstäbe setzen kann“, sagte er. Wenn man so viel Geld ausgebe, dann müsse man ach Lust darauf haben – er selbst habe sie und wolle für den Erhalt der drei wichtigen Eckpfeiler der medizinischen Versorgung kämpfen.

Als prominenten Gast konnten die Christdemokraten in diesem Wahljahr Hessens Finanzminister Michael Boddenberg begrüßen.

Neben dem Arbeitsplatz, der Schule und der medizinischen Versorgung seien Natur, Umwelt und die erneuerbaren Energien ein wichtiges Thema – und damit auch die Landwirtschaft. Die nämlich sei seiner Meinung nach – und mit Blick auf die Diskussionen um die Pestizid-Verordnung der vergangenen zwei Wochen – keinesfalls Teil des Klimaproblems, sondern schon immer ein Teil der Lösung gewesen. Seit Jahren würden sich die Landwirte hier im Vogelsberg um die Umwelt kümmern und dabei viel aufgebürdet bekommen. Auch sie hätten mit ihren Problemen seine volle Unterstützung.

Was Umweltschutz und erneuerbare Energien angehe, würde die CDU meist eher defensiv auftreten, weil sie bessere Argumente und Ideen habe. „Wir alle wissen, dass sich Klima und Umwelt massiv geändert haben und dass wir es unseren Kindern schuldig sind, nicht so weiter zu machen, wie wir es in den vergangenen Jahrzehnten getan haben“, fügte Mischak an.

Wenn es um die Frage der Erreichung der Klimaziele oder um das Wasser hier im Kreis gehe, dann könne man nicht mit Verboten das Problem lösen, sondern mit Ideen. Auch sei Ideologie nicht der richtige Weg, sondern Innovation. Dabei müsse deutlich werden, dass wir nicht allein auf der Welt leben und dass Länder rund um Deutschland und außerhalb Europas auf Deutschland blicken und sie sich fragen, was wir hier machen. Da müsse man Innovation zeigen, die zum Nachahmen animiere, nur so könne man weltweit gewinnen.

Auch auf die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Vogelsberger Feuerwehren kam Mischak in seiner Rede zu sprechen. Sie seien die Klammer zwischen Ehrenamt und Katastrophenschutz. In diesem Zuge kam Mischak nochmal auf das geplante Katastrophenschutzzentrum im ehemaligen Pferdezentrum zu sprechen. „Das machen wir“, sagte er dazu. Den Feuerwehren und Blaulicht-Verbänden dankte er für ihren Einsatz.

Klimaschutz und erneuerbare Energien: „Wir sind gut“

„Wenn der grüne Mitbewerber an dieser Stelle sagt, dass wir im Kreis schon viel richtig gemacht haben, dann ist das ein großes Lob“, ergänzte der 44-Jährige mit Blick auf die Kandidatur von Grünen-Mitglied Udo Ornik am Anfang der Woche. 13,9 Prozent aller erneuerbaren Energien in Hessen würden im Vogelsberg produziert, bei Windkraft seien es sogar 24 Prozent. „Wir sind gut in dem, was wir die letzten 20 Jahre aufgebaut haben“, sagte Mischak. Er plädierte dafür, Photovoltaik noch mehr zu nutzen, wo es denn geht.

Udo Ornik will neuer, grüner Landrat werden

So entstehe derzeit in Hartmannshain ein Projekt, wo aus Windenergie und Elektrolyse Wasserstoff hergestellt werde. Auch wenn das Projekt noch in den Kinderschuhen stecke, zeige es die Innovation und das Potential des Kreises – das gelte es verstärkt zu nutzen. Jetzt müsse man die Weichen stellen, davon profitieren und möglicherweise könne man so sogar eine Modellregion in Sachen erneuerbare Energien werden. Darunter falle auch die Mobilität und Infrastruktur, die offen und breit bedacht werden müssten.

„Fast sieben Jahre bin ich jetzt Erster Kreisbeigeordneter und bin sehr Heimatverbunden. Der Landkreis bedeutet mir sehr viel, das habe ich in den letzte sieben Jahren versucht deutlich zu machen. Und das möchte ich auch in einer anderen Funktion ab dem 8. Oktober deutlich machen. Der Grüne Mitbewerber sagte, er wolle grüner Landrat werden. Ich will Landrat für alle Bürgerinnen und Bürger werden“, schloss Mischak seine Rede.

Auch einige Bürgermeister auf dem Vogelsbergkreis waren zum Kreisparteitag gekommen – so wie Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller.

Unterstützung für einen „herausragenden Kandidaten“

Für seine Kandidatur erhielt Mischak aber nicht nur die Unterstützung der Vogelsberger CDU, sondern auch die von Finanzminister Michael Boddenberg, der am Kreisparteitag symbolisch seine Unterstützung im Wahlkampf zusagte.

Boddenberg ging in seiner Ansprache unter anderem auf das Thema ländlicher Raum ein. Seiner Ansicht nach sei es egal, ob Menschen in der Stadt oder auf dem Land leben, es sei wichtig, dass man sich gleichermaßen um sie kümmere. Er selbst lebt zwar in Frankfurt, ist aber in einem kleinen Ort mit rund 850 Einwohnern großgeworden. „Es ist wichtig, dass wir den Menschen die Chance geben, zu entscheiden, in welchem Umfeld sie leben wollen“, betonte er. Man solle aufhören zwischen städtischen und ländlichen Milieus zu trennen, sondern eher nach Gemeinsamkeiten suchen.

Ebenso pflichtete er Mischaks Worten zur Landwirtschaft bei. „Wir sollten aufhören, den Menschen ständig mit Verboten, Rechtsverordnungen, Vorschriften und Richtlinien zu kommen“, betonte er – wofür er auch prompt Applaus erntete. Landwirte seien wie keine andere gesellschaftliche Gruppe mit unserer Umwelt verwoben und hätten schließlich auch ein Eigeninteresse daran, dass sie auch erhalten bleibe.

Als prominenten Gast durften die Vogelsberger CDU am Donnerstagabend Hessens Finanzminister Michael Boddenberg begrüßen, der den Christdemokraten zu einem „herausragenden Kandidaten“ gratulierte.

Was die gesundheitliche Versorgung betrifft, insbesondere die Krankenhäuser, stimmte er ebenfalls dem CDU-Landratskandidaten zu. „Wir können nicht mehr so weiter machen wie bisher“, betonte der Finanzminister. Der vom Kreis beabsichtigte Weg einer Zusammenarbeit mit weiteren Häusern sei seiner Meinung nach richtig. Es mache durchaus Sinn, die Gemeinsamkeiten von Krankenhaus-Standorten zu entdecken, nicht jeder Standort müsse jede Leistung anbieten.

Als Beispiel nannte er hier die Prostataerkrankung. „Sowas muss man nicht in jedem Krankenhaus behandeln können“, betonte er. Meistens sei diese nicht akut und man könne durchaus mit einer Behandlung oder OP einige Wochen warten. Jeder sei bereit, auch mal weiter zu fahren, wenn auf der anderen Seite dadurch nämlich die Notfallversorgung vor Ort gewährleistet werden könne.

Auch die Klimakrise, die die Grünen seiner Meinung nach gerne mal als Apokalypse darstellen, blieb in seiner Ansprache nicht aus. „Ich finde, wenn man das Bild zeichnet, dass unser Globus schlichtweg dem Untergang geweiht sei, muss man sich nicht wundern, dass ein Teil junger Menschen denkt, dass wenn eh alles vorbei ist, sie sich auch keine Mühe mehr geben müssen“, betonte Boddenberg.

Seiner Meinung nach müssten die Probleme so beschrieben werden, wie sie sind. „Es ist unstrittig, dass wir ein Problem haben“, erklärte er. Hin und wieder sei „Maß und Mitte“ auch in der Umweltpolitik angebracht. „Das heißt aber nicht, dass die CDU auf der Bremse steht oder wir nicht bereit sind, uns zu verändern“, betonte Boddenberg, ehe er schließlich mit Zuversicht den Christdemokraten die Daumen für den 8. Oktober drückte.

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