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Elternschaft der Brüder-Grimm-Schule erleichtert über gute Nachrichten aus WiesbadenPositiv empfunde Praxis soll beibehalten werden

ALSFELD (ol). Vor sechs Wochen gingen sie an die Öffentlichkeit: Die Eltern der Brüder-Grimm-Schule wehrten sich gegen Pläne des Kultusministeriums, die – so war überraschend bekanntgeworden – vorsahen, die gängige Praxis eines 13. und 14. Schuljahres an Förderschulen abzuschaffen.

Sie starteten eine vielbeachtete Online-Petition und wandten sich in einem offenen Brief an Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz, luden ihn gar nach Alsfeld ein, um ihre Kinder und deren Bedürfnisse kennenzulernen. Das geht aus einer Pressemeldung der Eltern der Brüder-Grimm-Schule hervor. Zu einem Besuch aus Wiesbaden sei es bisher zwar nicht gekommen, allerdings habe es jetzt gute Nachrichten aus dem Kultusministerium gegeben.

In einer persönlichen E-Mail an die betroffenen Eltern heißt es nun: „Der vorliegende Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU und Bündnis 90/Die Grünen für ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Schulgesetztes sieht vor, die von allen Beteiligten als positiv empfundene Praxis beizubehalten. Ziel dieser Regelung ist eine rechtssichere, kriterienbasierte Verlängerungsmöglichkeit des Schulbesuchs für bis zu fünf Jahre über die Vollzeitschulpflicht hinaus.“

De facto bedeute dies im Einzelfall die Möglichkeit von 13 bis 14 Jahren Beschulung an Förderschulen. Der Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens sei zwar noch offen, dennoch blicke die Elternschaft diesem zuversichtlich entgegen. Schließlich habe die Maßnahme nicht nur von vielen Menschen sehr viel Unterstützung erhalten, sondern auch aus den politischen Lagern der Linken und der SPD sei viel Zuspruch gekommen. „Wer sollte also dagegen stimmen?“, fragen sich die Eltern rund um Schulelternbeiratsvorsitzende Pia Razingar. So habe beispielsweise der Arbeitskreis Kultus der SPD-Fraktion im Landtag nach eigenem Bekunden eine ‚Kleine Anfrage‘ in den Landtag eingebracht und ganz klar festgestellt, dass er den Wegfall des 13. Schuljahres ablehne. Auch viele Verbände hätten sich dem Begehren der Eltern von Kindern mit geistiger Behinderung nach Bekanntwerden des Anliegens angeschlossen: „So hat sich beispielsweise der Paritätische Wohlfahrtsverband in Hessen für den Erhalt des 13. und 14. Schuljahres eingesetzt“, berichtete Mit-Initiatorin Traudi Schlitt.

Andreas und Kathrin Maus hätten sich verantwortlich für die Online-Petition gezeichnet. Noch etwa zehn Tage bleibe die Petition unter „https://www.openpetition.de/!kinder“ online und dort nachzulesen seien viele Kommentare, die den Eltern der Brüder-Grimm-Schule viel Mut und Zuspruch gespendet hätten. „Wir sind dabei auf wahnsinnig viel Verständnis gestoßen – ganz gleich, ob von Menschen, die Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung haben oder nicht. Allen war unsere Argumentation, dass unseren Kindern bei Bedarf mehr Zeit zum Lernen zugestanden werden muss, schlüssig und klar“, freute sich Kathrin Maus. Und dieses Einsehen hatte am Ende wohl auch das Kultusministerium.

Was allerdings bleibe, ist der Eindruck, dass die Belange von Menschen mit Behinderung in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle spielten. „Wir haben zunächst gemerkt, dass sich kaum jemand für dieses Thema interessiert, dass es einfach nicht vorkommt. Wir sind zu wenige und wir haben offenbar auch keine Lobby“, klagte Mutter Doris Kremer. So seien selbst die verschiedenen Verbände erst durch den Elternprotest auf das Problem aufmerksam geworden. Nun jedoch scheine dieses Thema erstmal vom Tisch sowohl in Alsfeld und den anderen hessischen Förderschulen, die sich am Protest beteiligt hatten, als auch in Wiesbaden. Und das, freuen sich die Eltern der Schüler an der Brüder-Grimm-Schule, sei auch gut so. Schließlich sollten ihre Kinder die Förderung bekommen, die sie brauchen.

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