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Viel Aufmerksamkeit für E-Car-Sharing in Nieder-Gemünden„Mutig etwas Neues“: ein Auto für alle

NIEDER-GEMÜNDEN (ol). Es ist ein Experiment auf gleich zwei Ebenen, ein bundesweites Pilotprojekt. Es geht um Car-Sharing – im Land der fahrbaren Statussymbole mit viel Unglauben verbunden – und es geht um elektrische Mobilität. Und das Ganze auf dem platten Land – aber es könnte klappen. In Nieder-Gemünden wollen Einwohner mit Unterstützung der Goethe-Universität ein Carsharing-Angebot auf die Beine stellen, das bereits ab dem Sommer mit einem Elektrofahrzeug betrieben werden soll. Es könnte klappen: Zum Auftakt kamen mehr als 20 Interessierte ins Dorfgemeinschaftshaus, um mehr zu erfahren.

  Wichtigste Eigenschaft des Konzepts: Es soll von der Bürgerschaft selbst entwickelt werden, damit es auch wirklich passt. Begleitet wird die Konzeptentwicklung vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 18 Monate lang können bereits ab Sommer Einwohner in Nieder-Gemünden das Elektroauto kostenfrei nutzen. Das ist möglich, weil es bundesweit ein Pilot-Projekt ist. Man will herausfinden, wie das gehen könnte: Carsharing mit einem E-Mobil in einem Dorf im ländlichen Raum.

Es geht um Technik, aber auch um Kommunikation

Am Montag fand das Auftakttreffen im Dorfgemeinschaftshaus des Ortsteils Nieder-Gemünden statt. Zunächst informierten im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Bürgermeister der Gemeinde Gemünden (Felda), Lothar Bott, sowie der Geograf Matthias Sebald (Vogelsbergkreis, Amt für den ländlichen Raum und Daseinsvorsorge, Dorf- und Regionalentwicklung) über das Projekt. Dazu sind natürlich jetzt eine Menge Fragen zu klären. Zum Beispiel: Welches Fahrzeug soll es sein? Wo soll es dann künftig stehen? Wo befindet sich der Autoschlüssel? Wer kümmert sich darum, dass der „Tank“, als die Stromladung voll ist? Was für Fahrtstrecken werden das künftig sein – wie ist das mit der Reichweite? Welches Buchungssystem – offline oder online?

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Auf dem Weg zum Konzept: das Diskussionspodium mit (v.l.) Christoph Lange, Matthias Sebald, Projektleiterin Dr. Birgit Blättel-Mink, Bürgermeister Lothar Bott und Dirk Dalichau (Uni Frankfurt).

Klar sei schon jetzt, so Dirk Dalichau: „Da geht es nicht nur um Technik und Ablauf-Organisation. Da geht es vor allem um Kommunikation – man muss miteinander reden und sich abstimmen.“ Es gab einige skeptische Fragen im Publikum. Aber Dirk Dalichau ermutigte genau sie zum Mitmachen, damit das Konzept klappen kann. Die Art der Konzeptentwicklung – nämlich durch diese aktive Beteiligung der Betroffenen – ist ein wesentlicher Grund, warum das Projekt ein „Pilot“ ist. Matthias Sebald, der vom Demografie-Projekt MORO im Vogelsbergkreis berichtete – hieraus entstand die Idee für die E-Mobilität – , sagte: „Das ist wirklich spannend. Und man schaut auf uns, weil es wirklich etwas Besonders ist, was wir hier machen.“ Das MORO-Projekt habe die Mobilität im ländlichen Raum als Querschnittsaufgabe gezeigt. Der ÖPNV habe erhebliche Lücken, was insbesondere Jugendliche, Azubis und Senioren oft spürten. Daher wolle man mit dieser Innovation „Elektro plus Car-Sharing“ mutig etwas Neues ausprobieren.

Aktive Bürgerschaft

Die Professorin Birgit Blättel-Mink war am Montag ins Dorfgemeinschaftshaus nach Nieder-Gemünden gekommen, um für die Vorteile dieses einmaligen Pilot-Projekts zu werben. „Attraktive Mobilität ist ein Standortfaktor für den ländlichen Raum“, betonte sie. Sie lobte das Engagement von Bürgermeister Lothar Bott, der seinerseits die Aktiven in seiner Gemeinde, zum Beispiel die Vereine und den Seniorenbeirat herausstellte. „Das ist eine wirklich gute Chance, Elektromobilität unter realen Bedingungen zu testen. Lasst es uns anpacken!“ Während sich bereits zahlreiche Bürger/innen des gut besuchten Auftakttreffens für eine Mitarbeit in der Konzepterarbeitungsgruppe gemeldet hatten, sucht das Team der Goethe-Universität Frankfurt am Main noch weitere Teilnehmer. Interessenten können sich an Dirk Dalichau wenden unter Telefon 069-798-36663 oder dalichau@soz.uni-frankfurt.de).

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